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"Kriminalität"
und
Kriminalisierung

Was ist "Kriminalität" und was heißt Kriminalisierung?

"Kriminalität" verstehen wir als Konzept, als ein sozial konstruiertes Phänomen, also ein Begriff, für den Inhalte definiert werden. Diese Inhalte ändern sich von Zeit zu Zeit und Ort zu Ort, sind abhängig von Werten und Normen, Herrschaftssystemen und Hierarchien. 

Obwohl "Kriminalität" häufig wie ein natürliches Konzept erscheint, inhaltlich klar und gesellschaftlich notwendig, ist das Gegenteil der Fall. Was "Kriminalität" alles schon beschrieben hat, über Zeit und Raum widersprüchlich und in seinen Ausführungen kreativ, so hatte es immer eins gemeinsam: Das Konzept stützt Hierarchien und soziale Ordnungen sowie Herrschaft. Die Dekonstruktion des Konzeptes "Kriminalität" wird vor allem in der kritischen Kriminologie vorgenommen, viel zu wenig aber in der Politischen Theorie. Das BKF widmet sich dieser Thematik mit dem Anspruch interdisziplinäre Wissenschaft zu untersuchen und neue Erkenntnisse zur Relevanz eines Kriminalitätsverständnisses in den Politikwissenschaften zu erarbeiten. 

Kaum ein Konzept legitimiert und rechtfertig die Ausmaße an Gewalt und Unterdrückung, wie "Kriminalität". Die politische und soziale Notwendigkeit sich damit auseinanderzusetzen wird seit Jahrzehnten von Aktivistinnen betont, zivilgesellschaftliche Akteure stehen zur Zeit häufig alleine gegenüber einer Gesellschaft, deren Straflust wächst und einer Politik, die Kriminalisierung als Marginalisierungsprozess nutzt. 

 

"Kriminalität" schreiben wir in Anführungszeichen, weil es darauf aufmerksam machen soll, dass das Konzept und Verständnis von "Kriminalität" konstruiert ist. Es geht nicht um Gesetzesverstöße, sondern um die Akteure, Funktionalitäten und Inhalte, die Kriminalitätsverständnisse etablieren und reproduzieren. Daraus wird greifbar, welche Normen und Werte, Moral und Macht in einer Gesellschaft geschützt und verteidigt werden sollen. 

Darauf aufbauend können Kriminalisierungsprozesse erarbeitet werden. In Interaktionen werden Menschen etikettiert, einigen wird das Etikett "kriminell" aufgeklebt, anderen nicht. Welche Gesetze verabschiedet werden, welche Verstöße kontrolliert oder angezeigt werden, wer mehr anzeigt, wer mehr angezeigt wird, wem geglaubt wird, wer beschützt wird - die gesellschaftlichen Hierarchien und strukturellen Diskriminierungen ergeben einen Trichter, in dem einige Menschen eher kriminalisiert und einige eher viktimisiert werden. Das nennen wir Akteursperspektive: Kriminalisierung behandelt Aktionen, wirkt aber durch Akteure auf Akteure. 

"Kriminalität" und Kriminalisierung werden im BKF sozialwissenschaftlich erforscht und bearbeitet. Ergebnisse werden stets auf unserer Website und im Newsletter geteilt, bei politischen Bildungsangeboten könnt Ihr Euch mit einbringen und für aktivistische Akteure werden wir regelmäßig für einen Austausch zwischen Theorie und Praxis sorgen.

Empfehlungen

Hier findet Ihr Buch-, Film-, und Serienempfehlungen für das Eintauchen in die Thematik und das Weiter-Informieren.

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Weiterhin hochaktuell, diskriminierend und rassistisch: Die politische und gesellschaftliche Nutzung von "Clankriminalität" als Mythos, Konzept und Generalverdacht. Die Herausgeber*innen und Autor*innen dieser Flugschrift haben sich wissenschaftlich, differenziert und energisch damit auseinandergesetzt und stellen den Leser*innen beeindruckend klar dar, wie brutal die Konstruktion und Etablierung des Begriffes "Clankriminalität" wirkt. Auch für bereits informierte Leser*innen unbedingt bereichernd, für den ersten Kontakt mit dem Thema ein absolutes Muss!

Bedrückend, schrecklich und klar beschreibt diese Dokumentation die Realität rassistischer Kriminalisierung wie keine andere. Ava DuVernay schafft es einen klaren roten Faden in historischen Entwicklungen zu zeichnen und etablierte, strukturelle Gewalt, Diskriminierung und Marginalisierung mit Kriminalisierung zu kontextualisieren. Expert*innen aus verschiedenen Fachrichtungen erklären was wir sehen und bringen Realität und Theorie, Statistik mit Politik und Herrschaft zusammen. Die Brutalität, die Gewalt und die Ausmaße rassistischer Kriminalisierung werden deutlich herausgearbeitet. Sehr hart, für Betroffene von rassistischer Kriminalisierung auf jeden Fall mit Triggerwarnung, für nicht Betroffene die "Pflichtlektüre".

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